Mit ‘Riot’ getaggte Beiträge

Brennende Barrikaden, Tränengas, Szenen wie beim Nahkampf: Ein Jahr nach dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel ist die griechische Hauptstadt Athen von neuen Krawallen erschüttert worden. Zuvor hatten Tausende Menschen friedlich des toten Schülers gedacht.

Die Ausschreitungen waren absehbar, obwohl die Regierung vorher zu friedlichen Protesten aufgerufen hatte: Im Zentrum Athens haben sich am Sonntag rund 300 Vermummte Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Randalierer zündeten Mülltonnen an und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte, mehrere Schaufenster gingen zu Bruch. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein. „Es kam immer wieder zum Nahkampf“, berichteten Reporter. Mindestens sieben Menschen wurden leicht verletzt.

Der Grund für die Randale war der Todestag eines 15-jährigen Griechen. Vor genau einem Jahr, am 6. Dezember 2008, war der Schüler durch eine Polizeikugel gestorben, als er mit Zehntausenden anderen Jugendlichen gegen die Regierung und die Perspektivlosigkeit demonstriert hatte. Sein Tod führte zu einer beispiellosen zweiwöchigen Gewaltwelle, bei der Geschäfte in Athen und anderen Städten zerstört wurden. Zwei Polizisten müssen sich nun wegen Mordes beziehungsweise versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Der Prozess soll am 20. Januar beginnen.

 „Polizisten, Schweine, Mörder“

Bereits am Nachmittag waren Tausende von Demonstranten durch die Innenstadt von Athen gezogen. Die Teilnehmer, unter ihnen viele junge Menschen, folgten einem Aufruf von Studentenorganisationen und linksgerichteten Parteien. Bei der Besetzung des Rektorats der Universität von Athen wurde nach Medienberichten der Rektor Christos Kittas leicht verletzt. Die Fenster mehrerer Banken und Geschäfte wurden zertrümmert. Rund 40 Menschen wurden festgenommen.

Einige in schwarz gekleideten Demonstranten riefen „Polizisten, Schweine, Mörder“. Die neue sozialistische Regierung hatte mehrere tausend Beamte in die Straßen der Hauptstadt beordert in der Hoffnung, eine Wiederholung der Gewalt verhindern zu können. Demonstranten kritisierten, es gebe zwar seit Oktober eine neue Regierung. Geändert habe dies jedoch wenig. „Wir wollen mehr Arbeitsplätze, bessere Bildungschancen und keine Polizei mehr“, sagte ein 63-jähriger Demonstrant. Auch für Montag wurden Proteste erwartet.

Auch in anderen nordgriechischen Thessaloniki kam es zu Scharmützeln zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Als Brandsätze flogen, setzte die Polizei Tränengas ein. Mehrere Geschäfte wurden zerstört. Auch in anderen Städten des Landes waren Kundgebungen geplant. Schüler und Studierende sowie Gewerkschaften kündigten auch für Montag Kundgebungen an.

Regierung warnt vor Wiederaufflammen der Gewalt

Bei einer kleinen Gedenkzeremonie am Grab des getöteten Alexandros Grigoropoulos rief die Mutter zu friedlichen Protesten auf, um das Andenken an ihren Sohn zu wahren. Die Regierung warnte vor einem Wiederaufflammen der Gewalt. Der für die Polizei zuständige Minister Michalis Chrysohoidis hatte vergangene Woche gedroht, die Regierung werde eine Wiederholung des „Szenarios von Gewalt und Terror im Zentrum von Athen“ nicht tolerieren. Laut einer am Sonntag in der Zeitung „To Vima“ veröffentlichten Umfrage befürchteten viele Griechen jedoch eine neue Welle der Gewalt.

Und dafür gibt es allen Grund: Bereits am Samstagabend startete die Polizei Razzien, nachdem im Athener Stadtteil Exarchia, in dem Grigoropoulos vergangenes Jahr getötet wurde, zwei Autos in Brand gesetzt wurden. Allein in Athen nahm die Polizei mehr als 70 Menschen fest. In einem mutmaßlichen Versteck von Anarchisten fanden die Beamten Benzinkanister, Hammer und Gasmasken. In Thessaloniki wurden am Samstagabend nach einer Demonstrantion von rund 500 Menschen zwölf Teilnehmer festgenommen.

Quelle: spiegel.de

Unbekannte in Athen schießen auf Polizisten

Veröffentlicht: Januar 5, 2009 von xryshavgi in Politik
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Die griechische Regierung spricht von einem „Angriff auf die Demokratie“: Unbekannte haben in Athen mit automatischen Waffen und einer Handgranate Polizisten angegriffen. Ein Beamter wurde lebensgefährlich verletzt. Offenbar schlugen die Täter nicht zum ersten Mal zu.

Athen – Der 21-jährige Polizist, der am Montag in Athen von Unbekannten niedergeschossen wurde, schwebt trotz einer mehrstündigen Operation weiter in Lebensgefahr. „Der Zustand des Verletzten ist äußerst ernst, aber stabil“, teilte ein Sprecher des Krankenhauses in Athen mit. Die Kugeln hätten seine Lunge und andere Organe verletzt.

Nach Angaben der Polizei griffen zwei Männer am frühen Morgen eine Gruppe Polizisten in der griechischen Hauptstadt mit einer automatischen Schusswaffe und einer Handfeuerwaffe an.

Der Posten befand sich vor dem Kulturministerium im Stadtviertel Exarchia. Die Gegend gilt als Hochburg der autonomen Szene. Die Täter hätten nach Augenzeugenberichten aus einer Entfernung von etwa 40 Metern geschossen. Medienberichten zufolge wurden etwa 20 Schüsse abgefeuert. Zwei Kugeln trafen den 21-jährigen Polizisten. Die Unbekannten warfen auch eine Handgranate.

Die verwendete automatische Waffe sei bereits bei einem Anschlag auf einen Polizeibus vor zwei Wochen benutzt worden, teilte die Polizei mit. Am 23. Dezember hatten Unbekannte einen Polizeibus unter Beschuss genommen. Damals war aber niemand verletzt worden. Zu der Tat bekannte sich damals eine bisher unbekannte Untergrundorganisation namens „Volksaktion“.

Bei der Fahndung nach den Tätern des neuerlichen Angriffs wurden in der Nacht zu Montag nach Polizeiangaben 72 Personen vorläufig festgenommen. Innenminister Prokopis Paylolpoulos besuchte den Verletzten im Krankenhaus. Die Täter hatten einen Anschlag auf die Demokratie und die öffentliche Ordnung verübt, sagte der Minister. Keine Kugel und kein Mord würden jedoch die Entschlossenheit und die Moral der Polizei untergraben.

Experten stuften die Attacke als möglichen Racheakt ein: Am 6. Dezember war in Athen ein 15-Jähriger bei einer Demonstration durch eine Polizeikugel getötet worden. Seitdem kommt es in Griechenland immer wieder zu gewaltsamen Protesten und Angriffen auf die Polizei.

phw/AP/dpa