Mit ‘Krawalle’ getaggte Beiträge
Polizisten lassen Mitglieder von Xrysh Avgi frei, und nehmen dafür zwei Migranten mit
Veröffentlicht: Mai 14, 2011 von xryshavgi in PolitikSchlagwörter:Athen, Griechenland, kinderschänder, Krawalle, krise, mörder, Migranten, xryshi avgi
Fanal in den Flammen
Veröffentlicht: Mai 6, 2010 von xryshavgi in PolitikSchlagwörter:Anarchie, Athen, Chaos, Greece, Griechenland, Krawalle, Riots
Ihr Blick ist ohne Halt, das Make-Up verlaufen. Im Gesicht hat sie dunkle, rußige Flecken, die Arme sind pechschwarz. Aber sie hat den Brand überlebt.
Helfer bringen die Frau aus der Marfin-Egnatia-Bank am Omonoia-Platz in der Athener Innenstadt in Sicherheit. Für drei Angestellte ist die Filiale zu einer tödlichen Falle geworden. Randalierer hatten Molotow-Cocktails in das Gebäude geworfen, es geriet in Brand – im raucherfüllten Treppenhaus sind zwei Frauen und ein Mann zusammengebrochen und vom Feuer erfasst worden. Jede Hilfe für sie kommt zu spät.
Eine ums Leben gekommene Bankangestellte war nach Angaben von Kollegen schwanger. Als am Nachmittag ihre Leiche aus dem Bankgebäude getragen wurde, brach ihr Mann weinend zusammen.
Dieser Mittwoch ist in der griechischen Hauptstadt ein Tag, an dem mancherorts das Recht außer Kraft gesetzt scheint. Für Stunden versinkt Athen im Chaos.
Am Dienstag hatte die Gewerkschaft der Staatsbediensteten angefangen zu streiken, an diesem Mittwoch nun schließen sich jene aus der Privatwirtschaft an. Sie richten sich gegen das verhasste Sparprogramm der Regierung, das Voraussetzung für die 110-Milliarden-Euro-Hilfe von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) war. Am Donnerstag soll das Parlament das Paket beschließen, und darum wollen die Protestführer jetzt ein Zeichen setzen: Eine friedliche Großkundgebung vor dem Parlament soll Höhepunkt des Generalstreiks sein.
Doch es kommt anders.
Es ist schwer zu sagen, wie viele Demonstranten in der Stadt am Ende gewalttätig werden. Aber es haben sich nicht wenige Krawallmacher in die Menge gemischt. Als es zu den Straßenschlachten kommt, wird die Lage völlig unübersichtlich. An manchen Stellen lodern Flammen in Gebäuden, Autos und Übertragungswagen von Fernsehteams brennen aus, Feuerwehrwagen sind mit Sirenen unterwegs. Vermummte werfen Steine und Flaschen auf Sicherheitskräfte. Manche haben Eisenstangen dabei. Eine Gruppe Autonomer prügelt mit Schlagstöcken auf die Fensterscheiben einer Filiale der Agrarbank ein. Als diese nicht gleich bersten, hilft einer mit der Spitzhacke aus. Auch ein Gebäude der Finanzbehörde fängt Feuer.
Auch vor dem Parlament spielen sich am Mittwochmittag Tumulte ab. Tausende Polizisten mit Schlagstöcken, Helmen, Schutzschilden und Tränengas stehen Zehntausenden Demonstranten gegenüber. Viele Protestler beschimpfen die Polizei. Und die Politiker. „Da drüben sitzen die Verbrecher“, ruft einer und deutet auf das Abgeordnetenhaus. „Alle auf die Straßen“ oder „Null Toleranz“ steht auf den Transparenten.
„Die Regierung hat es nicht anders verdient“
Dutzende Protestler versuchen das Parlament zu stürmen. Irgendwann stoßen sie auf eine Kette von Sonderpolizisten. Ein Demonstrant zerrt an einem Schutzschild eines Sicherheitsbeamten, ein anderer prügelt mit dem Stock seiner Fahne auf die Einsatzkräfte ein. Die Beamten setzen Tränengas ein. Es kracht laut, einmal, zweimal, immer wieder in regelmäßigen Abständen. Tränengasbomben, die die Polizei abfeuert. Irgendwann ist der Syntagma-Platz vor dem Parlament in Nebel gehüllt. Etliche Demonstranten halten Tücher vor ihre Augen. Dann gehen sie wieder zum Angriff über. Sie sind vermummt, tragen Motorradhelme, werfen Brandsätze, dazwischen stehen wild gestikulierende Polizisten.
„Verrückt“, sagt ein Jugendlicher. Er sitzt auf seinem Mountainbike, schaut aus der Entfernung auf die Krawalle. „Ich mache da nicht mit – aber die Regierung hat es nicht anders verdient“, sagt er.
Erst als sich die Nachricht vom Tod der drei Menschen in der Bank in der Stadt verbreitet, lässt die Intensität der Unruhen nach. Es wird stiller – die Meldung spricht sich schnell herum.
Das Parlament hält eine Schweigeminute ab. Präsident Karolos Papoulias verurteilt die Gewalt: Das Land stehe „am Rande des Abgrunds“, sagt er. „Es ist die Verantwortung von uns allen, nicht in die Leere zu fallen.“ Er habe keine Worte, um seinen Schmerz und seinen Zorn angesichts der Todesfälle auszudrücken. Die drei Bankmitarbeiter seien Opfer „abstoßender Gewalt“ geworden.
„Wir werden nicht einen Schritt zurückgehen“
„Wir sind zutiefst erschüttert über den ungerechten Tod der drei Bankangestellten, unserer Mitbürger, die Opfer eines Mordanschlags wurden“, sagt Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Die Täter würden gefunden und zur Rechenschaft gezogen. Danach verteidigt er das Sparprogramm seiner Regierung.
Man sollte nicht den Fehler machen, die Krawallmacher mit der griechischen Bevölkerung gleichzusetzen. In Umfragen in den vergangenen Tagen hat sich eine Mehrheit der Griechen für das Sparpaket ausgesprochen. Der Protest wird aus den starken Gewerkschaften getragen, von radikalen Linken wie den Kommunisten – die Randalierer sind allerdings auch in ihren Reihen die Minderheit.
Ihren Protest zurückfahren wollen die Organisatoren nach diesem tödlichen Mittwoch keineswegs. Die Gewerkschaft der Staatsbediensteten hat für kommende Woche weitere Streiks gegen das Sparprogramm angekündigt.
„Der Kampf geht weiter“, sagt Vizechef Ilias Vrettakos.
„Wir werden nicht einen Schritt zurückgehen“, sagt dagegen Finanzminister Giorgios Papakonstantinou vor dem Parlament.
Und fügt hinzu, die sozialistische Regierung sei bereit, „einen hohen politischen Preis“ zu bezahlen, um das Land aus der Schuldenkrise zu führen.
Quelle: spiegel.de
CHAOS IN ATHEN !!!
Veröffentlicht: Mai 5, 2010 von xryshavgi in Nicht kategorisiertSchlagwörter:Anarchie, Athen, Chaos, Greece, Griechenland, Krawalle, Riots
Krawalle in Athen: Polizei und Autonome liefern sich Straßenschlachten
Veröffentlicht: Dezember 6, 2009 von xryshavgi in PolitikSchlagwörter:Athen, Greece, Griechenland, Krawalle, police riots, Riot
Die Ausschreitungen waren absehbar, obwohl die Regierung vorher zu friedlichen Protesten aufgerufen hatte: Im Zentrum Athens haben sich am Sonntag rund 300 Vermummte Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Randalierer zündeten Mülltonnen an und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte, mehrere Schaufenster gingen zu Bruch. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein. „Es kam immer wieder zum Nahkampf“, berichteten Reporter. Mindestens sieben Menschen wurden leicht verletzt.
Der Grund für die Randale war der Todestag eines 15-jährigen Griechen. Vor genau einem Jahr, am 6. Dezember 2008, war der Schüler durch eine Polizeikugel gestorben, als er mit Zehntausenden anderen Jugendlichen gegen die Regierung und die Perspektivlosigkeit demonstriert hatte. Sein Tod führte zu einer beispiellosen zweiwöchigen Gewaltwelle, bei der Geschäfte in Athen und anderen Städten zerstört wurden. Zwei Polizisten müssen sich nun wegen Mordes beziehungsweise versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Der Prozess soll am 20. Januar beginnen.
„Polizisten, Schweine, Mörder“
Bereits am Nachmittag waren Tausende von Demonstranten durch die Innenstadt von Athen gezogen. Die Teilnehmer, unter ihnen viele junge Menschen, folgten einem Aufruf von Studentenorganisationen und linksgerichteten Parteien. Bei der Besetzung des Rektorats der Universität von Athen wurde nach Medienberichten der Rektor Christos Kittas leicht verletzt. Die Fenster mehrerer Banken und Geschäfte wurden zertrümmert. Rund 40 Menschen wurden festgenommen.
Einige in schwarz gekleideten Demonstranten riefen „Polizisten, Schweine, Mörder“. Die neue sozialistische Regierung hatte mehrere tausend Beamte in die Straßen der Hauptstadt beordert in der Hoffnung, eine Wiederholung der Gewalt verhindern zu können. Demonstranten kritisierten, es gebe zwar seit Oktober eine neue Regierung. Geändert habe dies jedoch wenig. „Wir wollen mehr Arbeitsplätze, bessere Bildungschancen und keine Polizei mehr“, sagte ein 63-jähriger Demonstrant. Auch für Montag wurden Proteste erwartet.
Auch in anderen nordgriechischen Thessaloniki kam es zu Scharmützeln zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Als Brandsätze flogen, setzte die Polizei Tränengas ein. Mehrere Geschäfte wurden zerstört. Auch in anderen Städten des Landes waren Kundgebungen geplant. Schüler und Studierende sowie Gewerkschaften kündigten auch für Montag Kundgebungen an.
Regierung warnt vor Wiederaufflammen der Gewalt
Bei einer kleinen Gedenkzeremonie am Grab des getöteten Alexandros Grigoropoulos rief die Mutter zu friedlichen Protesten auf, um das Andenken an ihren Sohn zu wahren. Die Regierung warnte vor einem Wiederaufflammen der Gewalt. Der für die Polizei zuständige Minister Michalis Chrysohoidis hatte vergangene Woche gedroht, die Regierung werde eine Wiederholung des „Szenarios von Gewalt und Terror im Zentrum von Athen“ nicht tolerieren. Laut einer am Sonntag in der Zeitung „To Vima“ veröffentlichten Umfrage befürchteten viele Griechen jedoch eine neue Welle der Gewalt.
Und dafür gibt es allen Grund: Bereits am Samstagabend startete die Polizei Razzien, nachdem im Athener Stadtteil Exarchia, in dem Grigoropoulos vergangenes Jahr getötet wurde, zwei Autos in Brand gesetzt wurden. Allein in Athen nahm die Polizei mehr als 70 Menschen fest. In einem mutmaßlichen Versteck von Anarchisten fanden die Beamten Benzinkanister, Hammer und Gasmasken. In Thessaloniki wurden am Samstagabend nach einer Demonstrantion von rund 500 Menschen zwölf Teilnehmer festgenommen.
Quelle: spiegel.de
Athen bereitet sich auf neue Krawalle vor
Veröffentlicht: Dezember 6, 2009 von xryshavgi in PolitikSchlagwörter:15 jähriger, Athen, grieche, Griechenland, Krawalle, linke, randalieren
Ein Jahr nach dem Tod eines 15-jährigen Griechen durch eine Polizeikugel haben Hunderte Menschen an einem Gedenkgottesdienst in Athen teilgenommen. Für den Abend erwarten die Sicherheitskräfte neue Krawalle – auch in Deutschland kündigte eine autonome Gruppe Attacken an.
Noch ist es ruhig, noch steht die Trauer im Vordergrund: Ein Jahr nach dem Tod eines 15-jährigen Griechen durch eine Polizeikugel haben am Sonntag Hunderte Menschen an einem Gottesdienst an seinem Grab teilgenommen. Die Familie des Jungen hatte die Medien gebeten, dem Grab fernzubleiben, berichteten Reporter vor Ort, die das „Seelenamt“ in der Athener Vorstadt Palaio Faliro aus der Ferne beobachteten.
Doch die Feier, so fürchten Beobachter, könnte der Auftakt sein für Protest: Denn obwohl die griechische Regierung zu friedlichen Demonstrationen aufgerufen hat, bereiten sich Tausende Polizisten auf einen Einsatz vor. Neben der Hauptkundgebung zum Gedenken an den erschossenen Jugendlichen sind Demonstrationen und Protestzüge, unter anderem in Thessaloniki, geplant. Daran wollen sich zahlreiche linksgerichtete Demonstranten, auch aus dem Ausland, beteiligen.
Vor genau einem Jahr, am 6. Dezember 2008, war der Schüler durch eine Polizeikugel gestorben, als er mit Zehntausenden anderen Jugendlichen gegen die Regierung und die Perspektivlosigkeit demonstriert hatte. Sein Tod führte zu einer beispiellosen zweiwöchigen Gewaltwelle, bei der Geschäfte in Athen und anderen Städten zerstört wurden. Zwei Polizisten müssen sich nun wegen Mordes beziehungsweise versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Der Prozess soll am 20. Januar beginnen.
Präsident Karolos Papoulias hat die Bevölkerung deshalb zur Ruhe aufgerufen – allerdings mit wenig Erfolg: Bereits am Samstagabend hatte es im Stadtteil Keratsini nach einer Razzia Ausschreitungen gegeben. Die Polizei hatte ein Haus durchsucht, das als Werkstatt für Brandbomben genutzt worden sein soll. Die Beamten wurden nach eigenen Angaben von rund 60 Jugendlichen mit Steinen angegriffen, drei Einsatzfahrzeuge wurden zerstört.
Anschließend verschanzten sich die Jugendlichen mehrere Stunden lang im Rathaus, die Polizei nahm 41 Menschen fest. In dem von mutmaßlichen Linksextremisten als Lager genutzten Haus wurden den Angaben zufolge Gasmasken, Vorschlaghammer und 200 leere Bierflaschen beschlagnahmt, die als Brandbomben eingesetzt werden sollten.
Weitere Festnahmen gab es im Zusammenhang mit einer zunächst friedlichen Gedenkveranstaltung für den getöteten Schüler, nach der sich eine Gruppe Anarchisten eine Straßenschlacht mit der Polizei lieferte. Unter den 14 Festgenommenen waren fünf Italiener und drei Albaner.
Hamburger Bekennerschreiben
In Deutschland hat sich eine linke Gruppe mit einer gewaltsamen Aktion auf den Todestag des Schülers bezogen. Nach dem Anschlag auf eine Polizeiwache im Hamburger Stadtteil St. Pauli am Donnerstag ist bei der „Hamburger Morgenpost“ ein Bekennerschreiben eingegangen. Demnach war die Attacke ein Racheakt für einen vor einem Jahr in Athen von Polizisten erschossenen Jugendlichen.
Die Absender nennen sich Koukoulofori, das griechische Wort bedeutet so viel wie die Kapuzenträger oder die Vermummten. Mit dem Anschlag wolle man an die Ermordung des 15-jährigen Griechen am 6. Dezember 2008 erinnern, heißt es in dem anderthalbseitigen Brief. Man befinde sich in einer „Revolte“ gegen die „Repressionsorgane“. Die Wahl sei auf Wache 16 gefallen, weil diese für „Misshandlungen und rassistischen Terror“ bekannt sei.
Die Gruppe droht mit weiteren Anschlägen: Sollte die seit 20 Jahren besetzte Rote Flora im Schanzenviertel geräumt werden, werde „ein munteres internationales Völkchen aus allen Ecken Europas für eine fulminante unvergessliche Erfahrung sorgen“.
Demonstranten werfen Brandbomben auf Polizisten
Veröffentlicht: Dezember 13, 2008 von xryshavgi in PolitikSchlagwörter:Anarchie, Athen, Autonome, Brandbomben, Chaos, Demo, Griechenland, Αθήνα, Krawalle, polizei
In der griechischen Hauptstadt Athen ist es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen jugendlichen Demonstranten und der Polizei gekommen.
Vor dem Parlamentsgebäude versammelte Studenten bewarfen die Sicherheitskräfte mit Brandbomben und Steinen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Es war der siebte Tag in Folge mit gewaltsamen Protesten wegen des Todes des 15-Jährigen Alexandros Grigoropolous durch eine Polizeikugel.
Der Polizei ist es bislang nicht gelungen, die Auseinandersetzungen zu stoppen. In Polizeikreisen hieß es, den Sicherheitskräften drohe das Tränengas auszugehen, Nachschub solle aus Israel und Deutschland kommen.
Die Demonstranten machen den Staat und die Regierung für den Tod des Jugendlichen verantwortlich. Der des Mordes beschuldigte Polizeibeamte sitzt derzeit in Haft. Nach seiner Darstellung wurde der Jugendliche von einem Querschläger eines Warnschusses getroffen.
Das mit Spannung erwartete Ergebnis der ballistischen Untersuchung könnte erst nächste Woche vorliegen, berichtete das griechische Fernsehen.
Weitere Untersuchungen seien notwendig. Erst das Ergebnis kann aber klären, ob der Polizist direkt auf den 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos geschossen hat oder ob der Junge tatsächlich durch einen Querschläger starb.
Seit Beginn der Proteste wurden mindestens 70 Menschen verletzt und rund 100 verhaftet. Das griechische Parlament gedachte am Donnerstagabend mit einer Schweigeminute des erschossenen Jugendlichen.
Polizisten zwischen den Krawallmacher?
Veröffentlicht: Dezember 12, 2008 von xryshavgi in PolitikSchlagwörter:Anarchie, Chaos, Griechenlan, Krawalle, Polize, vermummte

Komisch... Der ein Polizist trägt eine Maske, gehört das zum standard repertoire?

Eine ehrenwerte Gesellschaft

Bin gespannt wie die Behörden diese tolle Aufnahme erklären wollen. Polizist mir erhobenen Finger richtung vermummten, was sagt er ihm?
Die Internationale der Steinewerfer
Veröffentlicht: Dezember 12, 2008 von xryshavgi in PolitikSchlagwörter:Anarchie, Autonome, Chaos, Griechenland, Krawalle
Erst tagelange Straßenschlachten in Athen – dann randalierten in mehreren europäischen Städten Linksradikale „aus Solidarität“. Die griechischen Autonomen gelten als militante Speerspitze einer internationalen Szene, die vor allem eines eint: Lust an Gewalt.
Berlin – Es dauerte keine 24 Stunden bis zu den ersten Solidaritätsbekundungen auf deutschem Boden: Einige Dutzend überwiegend schwarz gekleidete Demonstranten versammelten sich vor dem autonomen Zentrum Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel. „Griechenland – das war Mord! Widerstand an jedem Ort!“, skandierte die kleine Gruppe. Als Sicherheitskräfte die Spontandemo nach wenigen Metern stoppten, schallten den Beamten zweisprachige „Polizia – Assassini!“-Rufe entgegen.
Ähnliche Szenen am selben Abend in Berlin: Auch in Kreuzberg gingen Menschen auf die Straße, 150 vielleicht, um sich mit den demonstrierenden Autonomen in Griechenland zu solidarisieren, die in Athen und anderen griechischen Städten ihrer Wut freien Lauf ließen. Am Abend zuvor war im linken Szeneviertel Exarchia der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos getötet worden, durch eine Polizeikugel. Der Beamte spricht von Warnschüssen und Querschlägern. Es war Mord, sagen die Autonomen – nicht nur in Griechenland.
Inzwischen wird im linken Internet-Portal Indymedia über mehr als ein Dutzend Soli-Veranstaltungen in Deutschland seit dem Tod des Jungen berichtet. Sie blieben weitgehend friedlich. Anders in der Nacht auf den Donnerstag in Barcelona, Madrid oder Rom: In Barcelona klirrten die Scheiben von Banken, als Hunderte Protestler bei einer nicht angemeldeten Demo durch die Stadt zogen. In Madrid griffen Randalierer ein Polizeirevier an, in Rom bewarfen Autonome Soldaten vor der griechischen Botschaft mit Steinen. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen lösten Sicherheitskräfte eine nicht genehmigte Kundgebung auf.
Die „Internationale der Steinewerfer“, wie sie ein deutscher Verfassungsschützer einst bezeichnete, funktioniert – zum Teil zumindest, denn insgesamt hält sich die Mobilisierung doch in Grenzen. Dennoch treibt der Tod des jungen Alexandros Kampfgenossen im Geiste europaweit auf die Straße. „Getroffen hat es einen, gemeint sind wir alle!“, ist auf deutschen Transparenten zu lesen. Großer Absprachen bedarf es nicht, um der autonomen Empörung Ausdruck zu verleihen.
Autonome Bewegung ist nicht homogen
Tatsächlich ist die Szene international nur lose vernetzt. Das Internet macht es zwar einfacher, Netzwerke zu knüpfen. Wirkliche Organisation aber widerspricht dem Selbstverständnis der Autonomen. „Die Bewegung der Autonomen ist nicht homogen“, heißt es im Verfassungsschutzbericht über die rund 5800 deutschen Autonomen, es gebe „mehr oder weniger gefestigte und eigenständige Gruppierungen“ ohne einheitliches ideologisches Konzept.
Stattdessen kämpft jeder seinen eigenen Kampf gegen den Staat, gegen das politische Establishment, gegen Rechtsextremisten. Alles unter dem Dach weniger, diffuser Ideologie-Fragmente, die gern die Vorsilbe „Anti“ tragen. „Antiamerikanismus, Antiimperialismus und Antikapitalismus sind die globalen Leitideen der Autonomen“, sagt der Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer von der Uni Bielefeld. „Sie sind ihr einigendes Band.“
Ein noch stärkeres Band als der theoretische Minimalkonsens ist aber das praktische Mittel, mit dem sich die Bewegung Aufmerksamkeit verschafft: Gewalt gehört in der Szene zum guten Ton, um sich gegen das „System“, die „Herrschenden“ zu wehren. Militanz sei ein „identitätsstiftender, prägender Bestandteil der Bewegungserfahrung“ und „notwendiger Bestandteil linksradikaler Politik“, bekannten deutsche Autonome vor Jahren einmal in einem Buch. Geändert hat sich daran nichts, und das Prinzip ist weltweit gültig.
Die griechischen Autonomen dürfen in diesem Zusammenhang getrost als rabiate Speerspitze der Bewegung betrachtet werden. Zwar blieb es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zum ersten Mal seit Tagen wieder verhältnismäßig ruhig. Zuvor jedoch schien es, als würde sich in der andauernden Gewaltorgie nicht nur die Wut einer frustrierten Generation entladen, sondern als hätten die Anarchos von der Akropolis auch einen Ruf zu verteidigen.
Wenn die Militanten aus Athen oder Thessaloniki zu den wenigen internationalen Feiertagen der linksextremen Szene auf Reisen gehen, sind die Sicherheitsbehörden stets alarmiert. So wie sich zur Fußball-WM Schläger aus aller Welt zum Kräftemessen treffen, pilgern die Polit-Hooligans zum jährlichen Weltwirtschaftsgipfel zur Schlacht mit dem Sicherheitsapparat des Gastgeberlandes.
Beim Treffen der großen Industrienationen 2001 in Genua versuchte die italienische Polizei, die griechischen Krawallmacher schon am Hafen abzufangen – mit mäßigem Erfolg. Und auch deutsche Sicherheitsbehörden fürchteten im Vorfeld des Gipfels von Heiligendamm im vergangenen Jahr die Chaoten aus Südosteuropa. Die deutschen Autonomen, um die es seit der Hochzeit der Mai-Krawalle Ende der achtziger Jahre immer ruhiger geworden war, dagegen freuten sich auf Action: „Geil, die Griechen kommen!“, zitierte die „tageszeitung“ einen aufgeregten Autonomen.
Als es dann am Rande der Großdemo in Rostock tatsächlich kräftig knallte, wollten Einsatzkräfte die Gewalttouristen in vorderster Front erkannt haben, neben Griechen auch Spanier, Italiener, Skandinavier, alle ebenfalls als wenig zimperlich bekannt. Bis zu 15 Meter traute sich die ausländische Autonomenarmada mit Pflastersteinen in der Hand an die behelmten deutschen Polizisten heran, berichtete ein Berliner Linksextremist dem „Tagesspiegel“ voller Anerkennung.
Dass die autonome Szene in Griechenland wie auch in Italien oder Spanien so stark ausgeprägt ist, begründet der Politikwissenschaftler Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin unter anderem mit einer tiefen Rechts-Links-Spaltung der Gesellschaft und einer fehlenden politischen Mitte. Dazu komme, insbesondere in Griechenland und Spanien, die noch relativ frische Erfahrung der Diktatur, sagt Protestforscher Rucht.
Die griechischen Autonomen aus dem Exarchia-Viertel, wo Scharmützel mit der Polizei an der Tagesordnung sind, sehen sich in der Tradition der Widerstandsbewegung gegen die Obristenjunta. Jeden 17. November feiern die Anarchisten den Jahrestag der 1973 blutig niedergeschlagenen Studentenrevolte an der Polytechnischen Universität. Regelmäßig kommt es zu Ausschreitungen. Der Campus ist auch in diesen Tagen Rückzugsgebiet der Krawallmacher.
In Exarchia war Alexandros‘ Tod der Funke, der die Gewalt explodieren ließ. Der Brandbeschleuniger ist das tiefe Misstrauen gegen die Regierung, zusätzlich befeuert durch Vetternwirtschaft und Korruption, ein marodes Bildungswesen, hohe Arbeitslosigkeit: Selbst wer mit gutem Abschluss von Uni oder Schule kommt, hat wenig Aussichten auf einen gut bezahlten Job. Und statt ihnen eine Perspektive zu bieten, so die Logik derer, die nun das Athener Zentrum in Brand steckten, greift die Staatsmacht zur Waffe, wenn ein Jugendlicher aufmuckt.
Dass es in Deutschland einmal zu einer ähnlichen Eruption wie nun in Griechenland kommt, hält der Berliner Protestforscher Rucht zwar nicht für unmöglich, „aber doch sehr unwahrscheinlich“. Allerdings: Auch deutsche Sicherheitskräfte wurden jüngst auf Demonstrationen von Gewaltausbrüchen überrascht, die zeigen, dass eine Situation jederzeit außer Kontrolle geraten kann – nicht nur wenn ausländische Autonome auf Krawalltour gehen.
Im Mai stießen in Hamburg Links- und Rechtsextremisten derart heftig zusammen, dass es laut Polizei beinahe Tote gegeben hätte. Ein Jahr zuvor hatte ein isolierter Polizist am Rande einer Demo gegen das euro-asiatische Außenministertreffen schon seine Dienstwaffe aus dem Holster gezogen, weil mehrere Randalierer ihn bedrängten, Steine, Flaschen und Farbbeutel auf ihn warfen. Im letzten Moment verzichtete der Mann auf einen Warnschuss und rettete sich in sein Fahrzeug.






















