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Griechen so stark wie nie

Veröffentlicht: Mai 3, 2008 von xryshavgi in Sport
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Noch heute geraten Fussball-Romantiker aus der ganzen Welt ins Schwärmen, wenn sie an das griechische Märchen von 2004 denken. Aus dem Nichts kam das Team von Otto Rehhagel, um dank unbändiger Kampfeskraft und eines Siegeswillens, der seinesgleichen sucht, den europäischen Gipfel zu erklimmen. Völlig überraschend lehrte Griechenland der kontinentalen Konkurrenz in Portugal das Fürchten und gewann die UEFA EURO 2004. Fast vier Jahre später hat man im Land der Götter nur eines verloren: die Rolle des Außenseiters.

Der Countdown für die nächste EM läuft, und die Hellenen präsentieren sich so stark wie nie zuvor. Beim nächsten Treffen der Elite Europas vom 7. bis 29. Juni in der Schweiz und Österreich geht man nicht nur als Titelverteidiger, sondern auch als unbestrittener Hochkaräter ins Rennen. „Wir werden bei der EURO 2008 wahrscheinlich den stärksten griechischen Kader aller Zeiten haben“, sagt Mittelfeldspieler Stelios Giannakopoulos von den Bolton Wanderers nicht ohne Stolz.

Ebenso stolz wie selbstbewusst zu sein, dafür sind die Griechen bekannt. Und sie haben auch allen Grund dazu. Denn die Auswahl der 69-jährigen deutschen Trainerlegende Rehhagel gewann nicht nur bei der EM 2004 gegen Gastgeber Portugal das Auftaktmatch (2:1) und das Finale (1:0), sondern auch kürzlich wieder ein von vielen Experten mit großer Aufmerksamkeit verfolgtes Freundschaftsspiel: Ende März behielt sie in Düsseldorf gegen Luis Felipe Scolaris Ensemble dank zweier Treffer von Georgios Karagounis einmal mehr mit 2:1 die Oberhand.

Weiterer Sprung in der Rangliste
„Die Portugiesen haben gegen Brasilien zuletzt zweimal gewinnen können. Das zeigt, welch starkes Team sie eigentlich sind“, erkärte Karagounis nach der Partie. Der 31-Jährige in Diensten von Panathinaikos Athen weiß nur zu gut, dass man sich mit dem abermaligen Triumph gegen das von vielen als Geheimfavorit abgestemnpelten Portugal mächtig Respekt verschafft hat. Aber nicht nur das.

In der jüngsten Ausgabe der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste ist Griechenland damit auch vom zehnten auf den achten Platz vorgerutscht und konnte ausgerechnet die Portugiesen sowie die Niederländer, die in einem weiteren Testspiel in Österreich zu einem schmeichelhaften 4:3-Sieg kamen, hinter sich lassen. Damit haben die Hellenen ihre beste Platzierung seit der Einführung der Rangliste perfekt gemacht.

Grund zum Feiern hatte Griechenland bereits im Februar diesen Jahres, als man sich erstmals überhaupt in der „Top Ten“ festsetzen konnte. Dass im April mit einer Verbesserung um 27 Punkten nun sogar der Sprung auf Platz acht bzw. in der kontinentalen Rangliste auf den sechsten rang gelang, ist der vorübergehende Höhepunkt der fussballerischen Erfolgsgeschichte rund um Olymp und Akropolis.

Der Star ist die Mannschaft
„Wir sind eben einfach ein gut organisiertes Team und wir arbeiten alle füreinander“, beschreibt Giannakopoulos das Erfolgsrezept. In der Tat ist die griechische Auswahl seit der Verpflichtung von Rehhagel als Nationalcoach im August 2001 immer enger zusammengewachsen. Durch den Überraschungserfolg bei der UEFA EURO 2004 nahm die stetige Weiterentwicklung der Mannschaft eine Eigendynamik, wie man sie selten zuvor auf Weltniveau gesehen hat. Obgleich Griechenland kaum über herausragende Einzelspieler verfügt, hat man als Kollektiv eine Qualität erreicht, die atemberaubend ist.

Dabei erwies sich das tiefste Tal während dieser Entwicklung von unschätzbarem Wert. Als die Hellenen an der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ scheiterten, dachte man bereits, es sei vorbei mit der Herrlichkeit. Doch Rehhagel erklärte kürzlich im Exklusiv-Gespräch mit FIFA.com: „Diese Nicht-Qualifikation für die WM in Deutschland hat uns noch stärker gemacht!“

40 Siege, 18 Unentschieden und 19 Niederlagen – das ist die Bilanz des aktuellen Europameisters seit der Amtsübernahme von „König Otto“. Dass es wenige Tage nach dem Freundschaftsspiel-Triumph gegen Portugal in Düsseldorf nur gerade einmal 25 Minuten dauerte, ehe sich der griechische Verband und Rehhagel auf eine Vertragsverlängerung bis 2010 einigten, sagt einiges aus über die momentane Zufriedenheit des knapp 10,7 Millionen Einwohner zählenden Landes mit dem Fussball.

Man darf sehr gespannt sein, wie sich die Griechen bei der UEFA EURO 2008 präsentieren werden. Zuzutrauen ist ihnen alles, das haben sie bereits nachhaltig bewiesen. Von den Gruppengegnern Russland, Spanien und Schweden stehen nur die Iberer in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste besser da, man muss sich nun also mit der Rolle eines Favoriten auseinandersetzen. Unter Druck setzen wollen sich die Hellenen deshalb trotzdem nicht. „Wir freuen uns darauf, bei der EM eine richtig gute Zeit zu haben“, so Karagounis. Nicht mehr, und nicht weniger. Das klingt schon wieder sehr verdächtig nach Fussball-Romantik…